Restaurierung und Konservierung in der Zentralbibliothek und dem Archiv der Minoriten Wien

Die Buchbestände der Zentralbibliothek der Minoriten und seines Archivs in Wien sind so zahlreich wie alt: die ältesten Handschriften gehen zurück bis circa 1300!

Wenig verwunderlich also, dass im Verlauf einiger Jahrhunderte, in denen die Bücher gebraucht, bewegt und eben auch lange nicht bewegt wurden, Schäden auftauchen. Hinzu kommen über diese lange Zeit manchmal Unfälle wie bspw. Wasserschäden oder durch Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungen provozierte Materialschwächen.

Die Erhaltung eines vergleichbar reichen und alten Bücherschatzes bedarf nicht nur kontinuierlicher Überwachung und Pflege, sondern in Schadensfällen auch Maßnahmen durch Restauratoren und Konservatoren. Durch eine Kooperation mit Frau Adrien Hofbauer-Bankos, Lehrende am Institut für Konservierung/Restaurierung der Akademie der Bildenden Künste, konnten Studierende ihr theoretisches Wissen an Originalbeständen der Zentralbibliothek und des Archivs in die Praxis umsetzen.

Ein Frühdruck (ganz hinten), Handschriften aus dem 14. Jahrhundert, Drucke aus dem 17. und 18. Jahrhundert wurden behandelt.

Bei einem ersten Treffen wurde eine Auswahl exemplarischer Schäden getroffen, Pläne erstellt und alle nötigen Maße genommen, um beim zweiten Termin zur Praxis zu schreiten. Es wurden z.B. die „Köpfe“, die oberen Kanten des Bucheinbandes mit gefärbtem Japanpapier stabilisiert. Durch wiederholtes Herausziehn der Bände über Jahrhunderte sind viele davon beschädigt. Für einige unserer Handschriften, deren Einbände noch ihre mittelalterlichen Metallbuckel haben, wurden spezielle Umschläge gemacht. Besonders eine „Inkunabel“, ein sehr früher Druck aus der Anfangszeit des Druckes mit beweglichen Lettern, wurde ebenfalls stabilisiert. Alle ausgeführten Maßnahmen sind für das geschulte Auge leicht erkennbar und reversibel. Sie können jederzeit mittels einfachster Behandlung wieder abgenommen werden, ohne dabei Spuren zu hinterlassen.

Die ungemein wertvolle Erfahrung von Konservatoren und Restauratoren kostet normalerweise etwas – durch das Format einer Ausbildungskooperation konnten unentgeltlich einige Bände der Zentralbibliothek und des Archivs gefestigt, stabilisiert und für die kommenden Jahrzehnte und Jahrhunderte gesichert werden.

Wir danken Frau Adrien Hofbauer-Bankos und Ihren Studierenden für die wunderbare Zusammenarbeit ganz herzlich!

Reparierter Einschnitt bei Inkunabel